Liboriusschule

LWL Förderschule

Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung

Förderung Schwerstbehinderter

Schwerstbehinderte Schülerinnen und Schüler erhalten besondere pädagogische und therapeutische Förderung, damit sie einen intensiveren und vielfältigeren Zugang zu sich sowie zu ihrer personalen und dinglichen Umwelt entwickeln können. Dies wird ermöglicht durch:

  • Ermöglichen und Erweitern sozialer Kontakte, Abbau von Passivität, Anbahnung und Entfaltung selbstbestimmter Aktivitäten und Interessen.
  • Förderung und Anerkennung der Individualität.
  • Verbesserung und Stabilisierung der konstitutionellen Bedingungen.
  • Förderung der Wahrnehmungen über die verschiedenen Sinneskanäle und ihrer Verarbeitung.

Die Förderung erfolgt überwiegend im heterogenen Klassenverband, was zum einen den Vorteil der Kommunikation mit anderen Schülerinnen und Schülern bietet. Zum anderen erleben sie im gemeinsamen Miteinander Sinnzusammenhänge, die es ihnen erleichtern, sich im Alltag zu orientieren. Neben der Förderung im Klassenverband oder der Differenzierungsgruppe erfolgen auch Einzelfördermaßnahmen in der schuleigenen Therapieabteilung.
In den einzelnen Klassen sind sowohl Rückzugsmöglichkeiten als auch Aktivitätsmöglichkeiten für schwerstbehinderte Schülerinnen und Schüler vorhanden (Teppichböden, Matratzen, Knautschsäcke, Musikinstrumente, Tastbretter, Spielzeuge etc.).

Neben den Klassenräumen findet die Förderung in den Förderpflegeräumen, in der Turnhalle, im Bewegungsbad, im MB-Raum, im Snoezelenraum sowie in den Räumen der Therapieabteilung statt.

Im Rahmen der Abschlussstufenprojekte sollen sich die schwerstbehinderten Schülerinnen und Schüler insbesondere an verschiedene räumliche Situationen und unbekannte Bezugspersonen gewöhnen. Die Vorbereitung auf den nachschulischen Alltag bildet auch für diese Schülergruppe einen elementaren Bestandteil der Förderung.

"Als schwerstbehindert gelten Schüler und Schülerinnen, deren geistige Behinderung, Körperbehinderung oder Erziehungsschwierigkeit erheblich über die üblichen Erscheinungsformen hinausgeht oder bei denen zwei oder mehr der Behinderungen Blindheit, Gehörlosigkeit, anhaltend hochgradige Erziehungsschwierigkeit, geistige Behinderung und hochgradige Körperbehinderung vorliegen." (AO-SF § 15)

Schwerstbehinderte Schülerinnen und Schüler haben zur personalen und dinglichen Umwelt einen basalen Zugang und bedürfen besonderer pädagogischer und therapeutischer Förderung, die gekennzeichnet ist durch:

  • Verbesserung und Stabilisierung der konstitutionellen Bedingungen
  • Pflegemaßnahmen z.B. beim Wickeln, regelmäßige Nahrungsaufnahme bzw. Anbahnung der Nahrungsaufnahme, Therapie
  • In-Gang-Setzen und Ausdifferenzierung von Wahrnehmung und ihrer Verarbeitung
    • Vestibuläre Stimulation (Lagerung in verschiedenen Stellungen z.B. auf Keilen, Kissen, Erfahrungen durch Schaukeln, Wippen)
    • Vibratorisch-akustovibratorische Stimulation (Einsatz von Massagegeräten, Trampolin, Übertragung von akustischen Schwingungen durch Klanginstrumente, Wasserbett...)
    • Orale Stimulation (Mundmassage, Gegenstände zum Lutschen, Kauen, Saugen, verschiedene Geschmacksangebote, unterschiedliche Konsistenzen von Lebensmitteln)
    • Olfaktorische Stimulation (Angebot von Riechfläschchen, von Lebensmitteln oder Gegenständen)
    • Taktile Stimulation (Materialbäder, Tastbretter mit unterschiedlichen Oberflächenstrukturen, formbare Materialien wie z. B. Ton für die Hände und Füße, ganzkörperlich)
    • Akustische und optische Stimulation (wenige, gezielte und eindeutige Reize, Klänge, Lichtimpulse)
    • Anregung und Ermöglichen sensumotorischer Erfahrungen
  • spezielle Sportangebote (s.u., Schwimmen im Bewegungsbad), Therapie, MOVE...
  • Kontakte ermöglichen und erweitern, Beziehungen aufbauen, Dialoge ermöglichen
  • Unterricht in heterogenen Klassen, in denen Kontakte zu nicht schwerstbehinderten Schülerinnen entstehen, individuelle Einzelförderung oder Förderung in Kleingruppen, Kommunikationsförderung (Blickkontakte, einfache Lautäußerungen, Unterstützte Kommunikation)
  • Abbau von Passivität, Anbahnung und Entfaltung von selbstbestimmten Aktivitäten
  • Teilnahme an allen Aktivitäten der Klasse, spezielle Angebote zur Aktivierung (Musik, Snoezelen, Sport, Schwimmen, Massage etc.)
  • Entwickeln und Verwirklichen von Bedürfnissen und Interessen
  • Förderung und Anerkennung der Individualität

Voraussetzung für die individuell angemessene Förderung ist eine umfangreiche Eingangsdiagnostik (E-Klasse) und eine begleitende Diagnostik. Aus einer Vielzahl von Konzepten zur Förderung schwerstbehinderter Schülerinnen und Schüler wird das individuell Relevante herausgesucht und angeboten. Dies geschieht überwiegend in Alltagssituationen im heterogenen Klassenverband, was zum einen den Vorteil der Kommunikation mit nichtschwerstbehinderten Schülerinnen und Schülern bietet, die Vorbildfunktion ausüben, und zum anderen Sinnzusammenhänge aufzeigt, die es ermöglichen, sich allmählich im Alltag zu orientieren.

Didaktisches Grundprinzip ist die Förderung von Eigenaktivität und Selbstständigkeit. Diese werden in allen Bereichen gefördert. Beispielhafte Inhalte sind:

  • Mithilfe bei Transfersituationen (auch kleinste Hilfen) und bei der Pflege
  • Erweiterung der Eigentätigkeit bei der Nahrungsaufnahme
  • Lagerungen verschiedenster Art
  • Förderpflege ist Unterrichtsinhalt

Gleichzeitig sind sowohl Rückzugsmöglichkeiten als auch Aktivitätsmöglichkeiten für schwerstbehinderte Schülerinnenund Schüler in den Klassen gegeben, die ihren speziellen Bedürfnissen gerecht werden (Teppichböden, Matratzen, Knautschsäcke, Hängematten, Musikinstrumente, Tastbretter, Spielzeuge etc.).

Einzelfördermaßnahmen finden u.a. in der Förderpflege, im Sportunterricht, am MB-Sporttag, im Bewegungsbad oder im Snoezelenraum statt, des Weiteren im Bereich der Therapie. Der Mehrfachbehindertensport nimmt einen festen Platz im Schulalltag ein. An einem festgelegten Vormittag in der Woche steht die Turnhalle speziell den schwerstmehrfachbehinderten Schülerinnen und Schülern zur Verfügung. In diesem Rahmen werden besondere Bewegungs- und Wahrnehmungsangebote wie z.B. die Riesenschaukel, Material- und Entspannungshöhlen, das Air-Tramp, Riesenrollbretter, Wabbelmatten etc. genutzt.

Für die schwerstmehrfachbehinderten Schülerinnen und Schüler werden individuellere Stundenpläne in den Klassen erstellt. Hier werden Inhalte der Förderung und die dafür verantwortliche Lehrkraft festgehalten. Die Bildung klassenübergreifender Gruppen zur Förderung schwerstmehrfachbehinderter Schülerinnen und Schüler wird in jedem Schuljahr neu überdacht und ggf. umgesetzt (analog zu den Lerngruppen in Mathematik und Deutsch).

In jeder Klasse existiert eine Informationsmappe, in der wichtige Hinweise zur Pflege und Nahrungsaufnahme enthalten sind, sowie die Gabe von Notfallmedikamenten, beschrieben ist .

An der Liboriusschule gibt es eine Fachkonferenz "Förderung schwerstmehrfach behinderter Schülerinnen und Schüler". An dieser Konferenz nimmt jeweils ein Teammitglied der Klasse teil. Weiterhin steht die Fachkonferenz allen Interessierten offen.